Die Lage im Rettungsdienst ist dramatisch. Überlastung ist Dauerzustand. Die Einsatzzahlen steigen seit Jahren, aber es fehlt am Personal. Ein Flickenteppich von Regelungen sorgt für uneinheitliche Arbeitsstandards und massive Unterschiede in der Bezahlung. In vielen Regionen bricht eine funktionierende Notfallversorgung weg. Als letztes Auffangnetz in einem kaputtgesparten Gesundheitssystem sind die Notaufnahmen heillos überfüllt und die Rettungsdienste übernehmen Aufgaben, die eigentlich woanders hingehören. Kurz: Das Limit ist erreicht. So kann es nicht weitergehen im Rettungsdienst. Hier setzt die Kampagne Status Rettungsdienst mit einer bundesweiten Befragung im Rettungsdienst an. 

Marlene

»Schnelle Hilfe zu gewährleisten darf nicht am System scheitern. Solange Deutschland keinen bundesweit einheitlichen Rettungsdienst hat, bleibt Lebensrettung oft vom Wohnort abhängig. Die Politik muss die Lücken im System endlich schließen, damit die Patient*innensicherheit gewährleistet ist und der Rettungsdienst entlastet wird.«

Marlene

»Meine Fähigkeiten in diesem Job definieren sich nicht über mein Geschlecht! Fragen Sie sich bitte, ob sie mich auch so von der Seite anmachen und von der Arbeit abhalten würden, wenn es um ihr Kind oder ihre Mutter gehen würde.«

Raphaela
Raphaela
Amina

»Eine ideale Patient*innenversorgung ist kaum möglich. Ein Grund dafür ist leider ein steigender Anteil an Fällen, bei denen keine Akutversorgung durch den Rettungsdienst oder Klinik indiziert ist. Das wiederum ist durch viele Faktoren beeinflusst. Es braucht dafür zum Beispiel ein besseres Abfragesystem von der Leistelle, aber auch mehr medizinische Aufklärung in der Bevölkerung. Es muss an vielen Stellen gehandelt werden, um nicht nur im Rettungsdienst, sondern im gesamten Gesundheitssystem was bewegen zu können.«

Amina

»Während eines Dienstes muss man sich Geschichten ausdenken um sich eine Pause zu erschleichen zur Erfüllung von Grundbedürfnisse wie etwas essen oder auf Toilette gehen. Außerdem sollte es mehr psychologische Unterstützung zu Bewältigung der Arbeitsbelastung geben. Damit sind nicht nur die Einsätze mit schwer erkrankten oder verletzten Personen gemeint, sondern auch die Belastung durch die hohe Zahl an Bagatelleinsätzen.«

Max
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Warum ich diese Kampagne initiiere

Stella Merendino
Anne Bierstedt

Mein Name ist Stella Merendino. Ich bin Krankenpflegerin und Rettungssanitäterin. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, bin in Berlin-Wedding großgeworden und arbeite seit vielen Jahren in der Notaufnahme. Ich kenne den Rettungsdienst nicht aus Berichten oder Fachkonzepten, sondern aus der Praxis. Aus Nächten mit zu wenig Personal, überfüllten Fluren, kritischen Lagen und dem ständigen Versuch, trotz aller Widrigkeiten gute Versorgung sicherzustellen. Ich habe mit Obdachlosen, Suchtkranken, Menschen in psychischen Krisen und Familien in absoluten Notlagen gearbeitet, sowohl in der Notaufnahme als auch auf dem RTW. Ich habe erlebt, wie Kolleginnen und Kollegen an ihre Grenzen gehen, weil das System sie im Stich lässt.

Heute sitze ich für Die Linke im Gesundheitsausschuss des Bundestags, als einzige Abgeordnete mit echtem Hintergrund aus der Notfallversorgung. Ich habe in den letzten Jahren gestreikt, verhandelt, Initiativen mit aufgebaut und mich für Kolleginnen und Kollegen eingesetzt. Aber eines ist mir dabei immer klargeblieben. Kein Verbesserungsversuch funktioniert, wenn die Menschen an der Basis nicht einbezogen werden.

Die Bundesregierung plant gerade eine große Reform der Notfallversorgung. Viele Versprechen, wenig Substanz und vor allem: keine ausreichende Finanzierung, keine Personalstrategie, und kaum jemand, der die Realität des Rettungsdienstes wirklich kennt. Genau deshalb starten wir diese Kampagne und führen hoffentlich die größte Befragung im Rettungsdienst durch, die es in Deutschland je gab.

Ich möchte, dass EURE Stimmen, die Stimmen derjenigen, die nachts auf der Straße stehen, die Verantwortung tragen und die Versorgung sichern, endlich dort ankommen, wo Entscheidungen getroffen werden. Wir werden eure Erfahrungen und Forderungen bündeln und als Status Rettungsdienst Report direkt an Gesundheitsministerin Warken übergeben.

Denn eine echte Reform entsteht nicht in Ministerien, sondern bei den Menschen, die den Laden jeden Tag am Laufen halten.

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